...dann sind sie in der offenen Psychiatrie und verbringen ihre Zeit mit Körbe flechten, Mandalas malen und Waldspaziergängen. Einfache Dinge sollen sie nun tun. Tätigkeiten, die sie sonst verächtlich als Zeitverschwendung betrachtet haben. Sie wollen nicht dort unten dümpeln. Sie wollen wieder hoch hinauf in die Lüfte.

Nicht nach der Therapie, nicht irgendwann. Jetzt, sofort und gleich. Es findet selten eine frühe Akzeptanz der Krankheit statt. Die meisten Patienten durchlaufen Jahre in Kliniken. Diagnosen zwischen Depression, Burn out, Verdacht auf Schizophrenie wechseln sich ab.

Es ist nicht verwunderlich, dass die Bipolar II Störung erst sehr spät diagnostiziert wird. Ist der Patient auf dem Weg der Besserung oder erst einmal wieder in der Hochphase unterwegs, will er leben, verlorene Zeit aufholen. Sich nicht mit dem elendigen Zustand beschäftigen, dem er nun gerade wieder entronnen ist. Und in den Hochphasen sucht er auch nicht seine Psychiater und Ärzte auf, um sie teilhaben zu lassen, an seinem Leben auf der Überholspur. Daher erfahren diese auch erst spät oder auch gar nicht davon und fischen im Trüben, wie der Patient selbst.

Die Angehörigen stranden meist irgendwann auch kraftlos in einem Zustand von Trauer, Verzweiflung, Wut, Hoffnungslosigkeit und Hoffnung. Sie erleben jedes Tief hautnah mit, müssen sich wehren, auch in den Abgrund gerissen zu werden. Sie wollen helfen, unterstützen und sind doch in ihrer Hilflosigkeit auch schier am Verzweifeln.

Trost? Wie soll der aussehen? Hilfe? Wie kann die stattfinden? Wann und wo muss diese eingreifen? Verständnis. Wie lange kann man es haben? Wut? Darf man diese fühlen? Kontakt halten? Wenn ja wie viel? Lieber nicht? Was dann? Wie auf Verzweiflung reagieren? Wie mit der aufkeimenden Aggression umgehen?

Sie sehen, diese Krankheit geht viele Menschen an. Die Betroffenen und das gesamte Umfeld.

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Zanne van den Geest

Soul in need

Seele in Not * Diagnose: Depression Bipolar II * ISBN 9783929925241